Zu Beginn boten die Eheleute Michaela Weiß-Janssen und Stefan Weiß allen Anwesenden einen alltagsnahen Einstieg ins Thema. Während sie als freie Referentin für Medienkompetenz Workshops an Schulen wie der IGS Hamm/Sieg gestaltet, schult er als Leiter der Firma WEISS IT Kunden im Umgang mit Software und Programmierung. Sie spielten eine Alltagsszene, in der sie sich über Informationsquellen wie das Internet, aber auch klassische Printmedien unterhielten. Im Mittelpunkt standen dabei Fake-News und die rasante Verbreitung von Nachrichten über soziale Netzwerke. Ein anschließender Impulsvortrag über Software, Journalismus, Falschnachrichten im Internet, Straftaten in sozialen Netzwerken und die Hardware-Nutzung zu Hause und in den Schulen lieferte Informationen und gestaltete den Übergang zum folgenden Gespräch. Diskutiert wurden dabei vor allem drei Schwerpunkte: Welche Kompetenzen sollten Kinder und Jugendliche im Umgang mit neuen Medien besitzen? Sollten Eltern und/oder Schule einen verantwortungsbewussten Umgang mit den medialen Möglichkeiten vermitteln? Welche Präventions- und Hilfsmaßnahmen gegen die erheblichen „Begleiterscheinungen“ wie Cybermobbing können genutzt werden?
Schulleiterin Andrea Brambach-Becker begann mit einer kurzen Ausführung zu Schule und Medienkompetenz. Vor allem spielten dabei zwei Elemente eine tragende Rolle. Zum einen seien an einer Schule die technischen Voraussetzungen wichtig. Um das Angebot an der IGS Hamm/Sieg zu verbessern, sei man mit dem Kreis als Schulträger im Gespräch, dennoch werde der Ausbau dauern. Zum anderen sei vor allem ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Internet wichtig. Darin sieht Andrea Brambach-Becker einen klaren Bildungsauftrag der Schulen, an dessen zielgerichteter Umsetzung und Etablierung sicherlich mindestens noch ein Jahrzehnt gearbeitet werden müsse. Die Lehrerbildung auf diesem Gebiet entwickle sich aber stetig weiter.
Georg Fuchs betonte aus Elternsicht, dass die jetzige Generation von Jugendlichen mit modernen Medien wie dem Smartphone aufgewachsen sei. Eltern hätten häufig keinen Einblick in die Technik und das, was damit möglich ist, selbst wenn sie versuchten, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen. Da die Kommunikation der jungen Leute über die neuesten Geräte und Apps im Freundeskreis stattfinde, sei somit die Schule der richtige Raum, um Schüler zu einem verantwortlichen Umgang mit dem Internet zu bewegen.
Einen ähnlichen Standpunkt vertrat Christoph Fischer. Er meinte, Jugendliche bewiesen sicherlich die meisten Kenntnisse im Umgang mit digitalen Medien. Deshalb solle die Schule weiterhin für Freiheit und Verantwortung bei der Nutzung sensibilisieren.
SV-Lehrer Ulrike Bay ergänzte, dass nicht nur die Schule, sondern auch Schüler und Eltern selbst in der Verantwortung stünden. Lasse man Mediennutzung im Unterricht zu, werde das Vertrauen häufig durch das heimliche Verschicken von WhatsApp-Nachrichten verspielt.
Michaela Weiß-Janssen pflichtete ihr bei. In ihren Workshops für Schüler mache sie regelmäßig die Erfahrung, dass das Internet, sobald es zur Verfügung stehe, für alles Mögliche genutzt werde.
Eine Schülerin der Klassenstufe 10 gab ebenfalls noch einmal zu bedenken, ob es nicht zu viel von den Lehrern erwartet sei, einen Großteil der Verantwortlichkeit an die Schule abzugeben, und ob nicht die Eltern selbst für die ethische Grunderziehung ihrer Kinder zuständig seien. Aus diesem Diskussionspunkt erwuchs der Vorschlag einer anderen Schülerin, dass man Aufklärungsarbeit in der Schule für Eltern und Schüler gemeinsam gestalten könne.
Andrea Brambach-Becker betonte in diesem Zusammenhang, dass die Kooperation zwischen Schule und Elternhaus gerade auch in diesem Bereich sehr wichtig sei. Um von Elternseite diese Verantwortung wahrzunehmen, müssten die Eltern ebenfalls in die Schule, die zu diesem Thema Informationsabende anbietet. Obwohl diese Angebote wahrgenommen werden, sollten sie künftig unbedingt noch stärker genutzt werden. Grund hierfür ist die altersunabhängige Relevanz des Themas unter Kindern und Jugendlichen.
Michaela Weiß-Janssen erklärte, dass der Umgang mit dem Internet bereits in der Grundschule eine große Rolle spiele. An der IGS Hamm/Sieg wird ab Klassenstufe 5 an Themen wie beispielsweise „Cybermobbing – Wie soll unser Miteinander gestaltet werden?“ gearbeitet und ähnliche Problematiken werden in den nachfolgenden Klassenstufen durch verschiedene Workshops immer wieder aufbereitet. Das sei für Nachhaltigkeit wichtig.
Die Schulsozialarbeiterinnen berichteten nämlich, dass es vor allem immer wieder in sogenannten Klassengruppen von Messenger-Diensten zu Auseinandersetzungen komme; dieses Mobbing einzugrenzen, stelle eine große Schwierigkeit dar.
Dieter Lichtenthäler erweiterte das Problemfeld, indem er dabei auf Altersbeschränkungen und auf eine mögliche Ausgrenzung derer, die sich an die Richtlinien halten, verwies.
Dass Straftaten, die in Zusammenhang mit dem Internet stehen, in den letzten Jahren um 50 Prozent gestiegen seien, verdeutlichte Polizist Björn Hoffmann. Dabei handele es sich vor allem um Beleidigungen und Bedrohungen, die, sobald sie erst einmal im World Wide Web veröffentlicht seien, unwiderruflich vorliegen.
Stefan Weiß resümierte abschließend, dass moderne Medien fast wie eine Art „digitale Revolution“ die Gesellschaft verändert hätten, der jedoch noch das Bewusstsein für den vernünftigen Umgang mit dem Internet und die Einordnung der Inhalte fehle. In diesem Bereich liege eine klare Entwicklungsaufgabe für den Staat.
Schließlich lenkte Christoph Fischer noch einmal den Fokus auf das gewinnbringende Potenzial geschulter Fähigkeiten im Umgang mit Medien. Da er bei der Spedition Brucherseifer Verantwortung für die Auswahl der Auszubildenden trage, wünsche er sich vor allem wieder „echte Medienkompetenz“ von den Jugendlichen, unter der er den Umgang mit gängiger Computersoftware und das Beherrschen des Zehnfingersystems am Pc verstehe.
Am Ende verabschiedete Schulleiterin Andrea Brambach-Becker die Runde und räumte den anwesenden Schülern noch die Möglichkeit einer Feedbackrunde ein.

Bericht und Foto: Diana Hedwig